Halloween-Aktion: Die Galerie des Herrn Mevis Tofeles

Heute ist Halloween. Deshalb "schenke" ich euch eine Gruselgeschichte. Nur heute gibt es meine gesamte Story "Die Galerie des Herrn Mevis Tofeles" aus dem Ebook "Magische Realitäten" hier zu lesen. Ab morgen nur noch als kleine Leseprobe. Also viel Spaß beim Lesen und über einen Kommentar würde ich mich freuen.




© Jacqueline Montemurri

Die Galerie des Herrn Mevis Tofeles

David Cutter bereute, dass er den Highway verlassen hatte, um billiger zu tanken. Denn er gondelte jetzt schon seit fast einer Stunde durch die ländliche Umgebung, ohne die ausgeschilderte Tankstelle gefunden zu haben. Es war so dunkel, wie es fern jeder Großstadt kurz vor Mitternacht nur sein konnte. Der Scheinwerferkegel seines nagelneuen Sportwagens beleuchtete brüchigen Asphalt. Das Klackern der Räder – hervorgerufen durch die zahlreichen Risse und Schlaglöcher - wurde immer rhythmischer und wirkte einschläfernd. Seine Gedanken schweiften zu Lucille.
Diese Frau machte ihn verrückt. Sie war kein Model - nein, gewiss nicht. Doch mit ihrer kecken Art wickelte sie ihn immer wieder um den Finger. Aber sie konnte auch bei jeder Kleinigkeit an die Decke gehen. So war es vor fünf Tagen gewesen. David konnte sich schon gar nicht mehr an den Auslöser erinnern. Ein Wort gab das andere und so hatte Lucille ihre Sachen gepackt und war zu ihrer Mutter gefahren. Seit dem herrschte Funkstille. Zuerst hallte in David die Wut über ihren Ausraster wider und er genoss die Ruhe in seinem Apartment mit Blick auf den Lake Michigan. Schließlich jedoch begann er Lucille zu vermissen. Obwohl er sich sicher war, dass ihn dieses Mal keine Schuld traf, machte sich Reue in ihm breit. Er warf ein paar Sachen in den Koffer, stieg in den Sportwagen und war fest entschlossen, ihr 2000 Meilen bis nach Seattle hinterher zu fahren.
Nun rollte der Wagen durch die Dunkelheit und er wusste schon gar nicht mehr, ob er sich noch in Montana oder schon in Idaho befand. Die Straße, die eher einem Waldweg glich, schlängelte sich durch ein Tal. Zu seiner rechten beleuchteten die Schweinwerfer eine steile Felswand und nach links schien das Gelände zu einem Fluss hin abzufallen. In der dunklen Frontscheibe sah er Lucills Gesicht ...

... Das Reh kam so überraschend in den Lichtkegel gesprungen, dass Cutter unüberlegt am Lenkrad riss. Erst danach trat er das Bremspedal durch. Der Wagen kam ins Schleudern, schlitterte seitwärts die Straße entlang. Die Räder blockierten und das Fahrzeug rutschte links den Abhang hinunter. Der Airbag sprang Cutter ins Gesicht. Dann war es still.
Geschockt saß der Mann hinter dem Steuer und lauschte seinem hämmernden Herzschlag.
„Verfluchter Mist!“ Seine Stimme wirkte heißer. „Dieses Weib bringt mich noch ins Grab.“ Er erhob den Kopf, nickte in verschieden Richtungen, um die Funktion des Genicks zu prüfen. Es schien keinen Schaden genommen zu haben. Er presste wütend die Lippen aufeinander und versuchte den Motor zu starten. Doch das Auto gab keinen Mucks mehr von sich. Zudem hatte es eine beängstigende Schräglage. David Cutter betätigte den Türgriff und die Tür schwang im Sog der Schwerkraft auf. Der Mann befreite sich ungeschickt aus dem Wagen. Es war stockdunkel. In einem Fach an der Innenseite der Fahrertür ertastete er eine kleine Taschenlampe. Der Lichtstrahl reichte nicht weit, doch er vermittelte ihm ein klein wenig Sicherheit. Vorsichtig tastete er sich zum Kofferraum und holte sein Gepäckstück heraus. Was nun? Er lauschte in die Dunkelheit der Rockys. Links unter sich hörte er eindeutig das Rauschen eines Flusses. Also beschloss er, die Böschung zu erklimmen und die Straße wieder zu erreichen. Mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen und dem Koffer in der einen Hand kletterte er ungeschickt und keuchend hinauf. Der Boden bot ein paar starke Grasbüschel, an denen er sich beim Klettern festkrallte. Es roch nach feuchter Erde und irgendwie nach Tier. Die Angst, ein Bär könnte auf ihn lauern, beschlich ihn und trieb ihn vorwärts. Endlich erreichte er den bröckligen Asphalt. Erleichtert atmete er durch. Mit dem winzigen Lichtstrahl der Taschenlampe suchte er nach Orientierung – vielleicht einem Schild, das ihm den Weg weißen könnte. Aber da war nichts, außer ein paar leuchtende Augen im Gebüsch. Er zuckte zusammen, behielt aber die Nerven. Die Augen waren sehr weit unten. Es konnte also nur ein kleines Tier sein, eine Katze wo möglich. Er stampfte mit dem Fuß auf und die Augen verschwanden, begleitet von einem Rascheln.
Das Licht der Lampe begann zu flackern. Er schlug sie kurz gegen den Koffer und der Strahl war wieder heller. Da er auf der Fahrt hierher weder ein Haus noch einen Wegweiser zu irgendeiner Ortschaft gesehen hatte, beschloss er, die Straße weiter entlangzugehen und nicht umzukehren. So stolperte er über die holprige Waldpiste mit einem Koffer in der einen und einem winzigen flackernden Lichtstrahl in der anderen Hand durch die Finsternis. Das Rauschen des Flusses schien ihm leiser zu werden. Doch das Rascheln um ihn herum glaubte er noch deutlicher zu vernehmen. Seine Nackenhaare stellten sich auf und seine Fantasie ließ Trugbilder durch den Schein der Taschenlampe huschen, bis dieser schlagartig erstarb. Nervös schlug Cutter die Lampe gegen den Koffer. Der Lichtschein war jedoch unwiederbringlich erloschen. Nun begann die Panik langsam in ihm aufzusteigen. Zuerst beschleunigte sie seine Schritte, dann seine Atemfrequenz und schließlich den Herzschlag. Er rannte und keuchte und stolperte. Sein Körper fiel nach vorn und als der Kopf auf einem Stein aufschlug, erloschen die Lebenslichter in seinem Gehirn.

...


Die Aktion ist vorbei und somit gibt es den Rest der Geschichte für nur 2,99 € in der Anthologie "Magische Realitäten" zu lesen sowie 22 weitere Geschichten von 16 weiteren super tollen Autoren.

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