Phantastische Miniaturen

aktualisiert am 13. April 2015


Die Phantastische Bibliothek Wetzlar gibt mehrmals im Jahr ein kleines Heftchen heraus, indem zu vorgegebenen Themen eine Riege illustrer Phantastik-Autoren/innen Minigeschichten mit bis zu 750 Wörtern schreibt. Dabei finden sich neben spannenden und ernsten Geschichten viele witzige und kuriose Beiträge. Auch ich bin ab Heft Nummer 5 vertreten.

Hier eine kleine Leseprobe meinen Geschichten:


Band 5:
Nanowelten

Mein Universum

Ich stehe vor einem gewaltigen Ozean. Die dunkelblauen, fast schon violetten Wellen brechen sich am Strand. Hinter mir beginnt eine hitzeflimmernde weite Ebene – Unendlichkeit. Überall ist Unendlichkeit. Über mir ein schillerndes Universum, Planeten auf unsichtbaren Bahnen, gewaltig und fremd. In mir ein unbekanntes Universum. Einsamkeit ringsum. Sie schmerzt. Doch wenn ich leben will, muss ich sie ertragen. Ich hatte vorher gewusst, dass es kein Zurück geben würde…



Band 6
Das Universum der Düfte





Der Traum vom Riechen


Der Duft der Dinge

ist die Sehnsucht,
die sie uns nach sich erwecken.
Christian Morgenstern (1871-1914)

Er blickte resigniert hinter der Staubfahne her, die das Fahrzeug in der grauen Wüste hinterließ. Die Sonne versank farblos hinter dem Horizont. Ein Seufzen entwich seiner hageren Brust. Seine dürren Finger strichen verbittert über die ebene Fläche seines Gesichts, die sich konturenlos zwischen seinen Augen und dem Mund erstreckte. Oh wie wünschte er sich es! So sehnlich. Doch er wurde als Scharlatan, als Esoteriker oder sogar Spinner abgetan.Heute hatte er eine Chance gehabt, es ihnen zu beweisen. Doch da sie ihn mit Herablassung behandelt hatten, hatte er diese Chance nicht genutzt. Sie hatten Proben entnommen und untersucht. Gut, es waren Gasgemische verschiedenster Molekülzusammensetzungen festzustellen. Aber was wollte er damit beweisen? Es sollte eine Möglichkeit für deren Wahrnehmung geben? …



Band 7:
Brandschutz





Kältetod

Elda konnte das Werkzeug kaum halten. Der dicke Thermooverall und die Handschuhe hinderten sie an der nötigen Feinmotorik. Eisiger Wind peitschte Kristalle in ihr Gesicht. Selbst durch die Schneebrille und die Gesichtsmaske spürte sie den stechenden Schmerz der Kälte. Minus achzig Grad Celsius. Auch mit der nötigen Schutzausrüstung kann ein Mensch das nur kurze Zeit überleben.„Wieso musste ausgerechnet bei diesem Schneesturm die Kommunikation mit der Erde zusammenbrechen?“, fluchte sie … Mit einem Ruck riss der Sturm die Abdeckung aus seinen Händen. Sie klappte auf, krachte mit der unbefestigten Seite gegen die Wand und wieder zurück. Er schrie auf …



Band 8:
Rosetta 8.0





70|114|101|117|110|100|
oder
70|101|105|110|100|

Und die Erde aber war wüst und leer,Finsternis lag über der Urflut
Und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. (Genesis 1,2)

Ich erinnere mich an den zweiten Vers der Genesis, als ich auf die Erde blicke. Denn ich sehe sie jetzt genau so: wüst und leer, Finsternis liegt über verseuchten Fluten. Ich schwebe über dem Wasser, sehe die Reste zweier Zivilisationen in Gestalt von Stahlkonstruktionen – Gerippen einstmaliger Hochhäuser, Fabriken, Flugzeuge, Raumschiffe – aus dem Ozean ragen.Doch ich bin nicht Gott. Ich bin nichts, nur ein winziges Energieteilchen, ein Überbleibsel aus einem gigantischen Übersetzungscomputer. Und obwohl ich nichts bin, so bin ich doch als einziges übrig geblieben, um zu berichten, was geschah.
David saß im Kontrollzentrum …



Der Übersetzer

Rike saß am Frühstückstisch. Die Sonne schien warm durchs Fenster. Es verhieß ein wundervoller Tag zu werden. Sie studierte die Zeitung. Gerade überflog sie den Bericht über Cyrus Fantastikus, dessen neuester Fantasy-Roman von der Buchwelt sehnlichst erwartet wurde. Er war ein Meister seiner Zunft. Jedes Jahr brachte er einen neuen dicken Wälzer auf den Markt und man konnte sich nur wundern, wo er seine vielen Ideen herbekam. Rike lächelte versonnen, als sie an den letzten Roman des Autors dachte, den sie mit Genuss verschlungen hatte, als sie im Augenwinkel etwas vor dem Fenster herunterfallen sah. Mit einem Knall, wie berstendes Glas, schlug etwas auf dem Gehweg vor dem Haus auf ...


Band 9:
Home sweet home

Dein Wunsch ist mir Befehl

»Willkommen, Madeleine«, empfing sie die sanfte Stimme der Haussoftware. »Danke, James«, antwortete sie, während sie den Mantel auf den automatisch ausgefahrenen Bügel hängte. Er verschwand geräuschlos in der Garderobe, wie auch ihre Schuhe.
»James, legst du bitte noch ein Gedeck auf. Ich erwarte Besuch.«
»Sehr gern, Madeleine.«
Im Haus wurde es geschäftig. Ein kleiner stummer Diener rollte flink von Schrank zu Schrank und belud sich mit den nötigen Utensilien, um dem Wunsch der Hausherrin zu entsprechen. Der automatische Staubsauger surrte wie ein überdimensionierter Käfer herum, um die letzten Krümel verschwinden zu lassen. Der Kamin im Speisezimmer entflammte sich. Sanfte Musik ertönte, das Licht wurde gedämpft und aus der Küche zog ein delikater Geruch durchs Haus …

Band 10 a:
Goethe!

Auerbachs Keller

Teleporting zur Welt Ihrer Wahl.
Erweitern Sie Ihren Horizont,
gewinnen Sie Schlachten oder das Herz einer Frau.
Sondertarife für spezielle Jahrhunderte.
Sprechen Sie unser Personal an.
Wir beraten Sie gern.

Einige runde Lichtbälle, die unter dem hohen bogenartigen Gewölbe schwebten, wie Sonnen im All, erhellten die Szenerie. In einer Ecke saß ein Kaldaray und rieb sich mit seinen Tentakeln beständig Tränen aus seinen drei Augen. An einem runden Tisch saßen vier Kreaturen verschiedenster Gattungen und spielten mit Karten. Hinter der langen Theke, an der noch weitere Gäste saßen, stand der Wirt. Mit seinen gewaltigen roten Pranken wischte er ein Glas sauber. Als abermals das Ping des Teleporters erklang


Band 10 b:
Goethe?


Poesie des Todes

Wählen Sie einen Avatar.
Befahl mir die Stimme aus dem Off. Noch körperlos existierte ich nur als mein eigener Geist und schwebte in undurchdringlicher Dunkelheit. Vor meinem noch nicht vorhandenen Auge tauchten Figuren auf. Ich ließ sie an mir vorüberziehen: grüne schleimtriefende Aliens, schwarz gekleidete Vampire, Feuerwesen, Drachen, Robin Hood und vieles mehr. Alles erschien mir langweilig, bis ein kleiner unscheinbarer Junge auftauchte. Er erinnerte mich an Artus.
»Stopp«, rief ich. Ein Ritter-Game würde mir zusagen.
Ihr Avatar ist ein Knabe.
Bestätigte mir die Stimme aus dem Off.
Der Junge kam näher, lächelte mich an und drehte mir dann den Rücken zu, bereit, nach meinen Anweisungen zu agieren. Plötzlich erhellte sich das Bild. Ich erkannte eine sumpfige Landschaft im fahlen Licht des Halbmondes und entfernte Bäume, die sich im Wind bogen.
Ihr Setting wurde basierend auf Ihrer Avatar-Wahl generiert.
Das fand ich jetzt irgendwie blöd. Ich wollte mir das Setting selbst aussuchen


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