Umfrage: Welche Geschichte zur Dinner-Lesung?

Ich werde im September meine 1. Dinner-Lesung veranstalten und überlege nun, welche Geschichte wohl am besten geeignet ist. Vielleicht kannst Du mir mit deinem Kommentar weiterhelfen. Welche findest Du am spannendsten oder möchtest gern wissen, wie sie weiter geht?

Zur Auswahl stehen 4 Geschichten aus Fremde Welt:

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1.Geschichte

Vier Tage in der Nacht


Die Tür wurde aufgestoßen. Der Sturm blies eine Wolke von Schnee herein und der Raum füllte sich mit der kalten Luft. Draußen herrschte die ewige Nacht des nordischen Winters.
„Tür zu!“, rief Harmsen aus der Ecke des Raumes, wo er gerade mit seinen vier Kumpels an dem großen runden Ahorntisch würfelte.
Ein großer stämmiger Mann, eingehüllt in einen dicken Fellmantel, trat ein und stieß die Tür mit einem Fuß zu. Das Heulen des Sturms wurde ausgesperrt sowie die Kälte und der Schnee. Der Mann hatte ein Gewehr in der rechten Hand und schob einen anderen Mann vor sich her. Die Männer am Spieltisch und die Frau, die hinter der langen hölzernen Theke die Gläser abtrocknete, starrten unwillkürlich die Eingetretenen an.
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„Das können Sie nicht machen, das ist ein Mensch!“
Der Fellmantel riss sich unwirsch los und griff nach seinem Gewehr.
„Nein, Ma´am, das ist ein Lebenslänglicher, kein Mensch. Jetzt nicht mehr.“ Er öffnete die Tür und der Raum füllte sich wieder mit dem Getöse des Blizzards. Er verschwand im Schneetreiben und der Dunkelheit. Hunde bellten ungeduldig. Ein paar vereinzelte Lichter der Siedlung drangen durch das Schneetreiben, wie Irrlichter in einem finsteren Moor. Sie stand an der offenen Tür und starrte ihm ungläubig nach. Als sie mit der schweren Holztür den Schneesturm wieder aussperrte, hoffte sie, dass es nur ein Traum war. Doch als sie sich umdrehte, saß da der Mann an den Pfeiler gekettet, wie ein Tier im Zoo.
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2.Geschichte

Reise in den Kosmos

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Alexandra lag in der Wanne, eingehüllt vom grünen Wasser und dem süßen Duft. Plötzlich sah sie auf ihre Finger. Sie schienen sich von ihr zu entfernen, doch sie bewegte sich nicht. War das schon die Wirkung des Sekts? Jetzt sah sie genauer hin. Ihre Finger wurden kleiner. Sie erschrak und setzte sich in der Wanne auf. Sie fühlte sich benommen, schwindelig. Nicht nur ihre Finger, auch ihre Beine, Arme, alles wurde kleiner. Oder wurde der Raum um sie herum größer?
Sie schrumpfte. Sie wurde kleiner und kleiner und konnte nichts dagegen tun. War es ein Traum aus dem sie jeden Moment erwachen würde?
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Sie erwachte. Es war nur ein Traum gewesen, aber ein seltsam realer Traum. Sie hatte die Augen geschlossen, doch sie spürte, dass sie noch im Wasser der Badewanne lag. Es war kalt geworden. Sie musste eingeschlafen sein.
Doch plötzlich drangen Geräusche an ihr Ohr. Es hörte sich an, wie die Brandung eines Meeres - immer lauter und lauter und das Wasser um sie herum war in Bewegung. Es kam in großen Wellen, umspülte ihren Körper und zog sich zurück, um erneut heran zu rollen und sie hinein zu tauchen.
Abrupt öffnete sie die Augen. Sie lag an einem weißen Strand. Ein unendliches Meer ergoss sich zu ihrer rechten Seite und umspülte sie in regelmäßigen Abständen mit den grünen Wellen. Sie hatten die gleiche Farbe, wie das Wasser in ihrer Badewanne. Auf der linken Seite erstreckte sich ein weiter blendendweißer Strand. Über einer vielleicht zehn Meter aufragenden und unten ausgehöhlten Düne begann ein Wald. Unheimliche Geräusche drangen daraus hervor.
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Plötzlich färbte ein Schatten den Sand vor ihren Füßen ocker. Sie blickte verschreckt auf und in blaue Augen in einem sonnengebräunten Gesicht, das von schwarzem kurzem Haar umrahmt war.
Es war ein Mann. Er sah sie erstaunt an und ihr wurde bewusst, dass sie völlig nackt war.
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3.Geschichte


Notlandung


Die Alarmsirene heulte durch den Raumgleiter. Licht flackerte. Der Mann wurde aus dem Hyperschlaf gerissen. Zunächst war er blind. Er hörte nur das pneumatische Zischen, mit dem sich die Schlafkabine öffnete. Seine Arme und Beine konnte er nicht bewegen. Doch erste Lichtflecken wurden von seinen Augen an sein Gehirn weitergeleitet. Nach einer kurzen Phase der Desorientierung, begann sein Gehirn zu funktionieren. Sofort war ihm bewusst, dass etwas schief gelaufen sein musste. Endlich begannen seine Muskeln auf die Gehirnsignale anzusprechen. Er richtete sich langsam auf und stöhnte kaum hörbar:
„Scheiße!“
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Das brennende Wrack tauchte die stille weißbläuliche Landschaft in ein orangerotes Licht. Der Schnee in der unmittelbaren Nähe begann zu schmelzen.
Die Frau hatte etwas Mühe, mit den Handschellen an den Handgelenken und eingehüllt in einen grauen Thermooverall mit der Aufschrift Camp X-Ray aus dem hohen Schnee aufzustehen. Als sie endlich stand, bis zu den Knien im Schnee versinkend, sah sie entsetzt in das Flammenmeer auf dem Felsen. Obwohl sie weit genug entfernt war, spürte sie die Hitze des Feuers auf ihrem Gesicht.
Sie blickte sich suchend um. Eine Ebene. Unendlich. Blendend weiß. Mitten drin die Felsengruppe. Ab und zu lugten ein paar Wipfel verschneiter baumartiger Pflanzen aus dem Schnee. Eine Sonne stand weiß an einem stahlblauen Himmel. Außer dem Geprassel des Feuers, war nichts zu hören.
Etwa hundert Meter entfernt sah sie den Security Officer liegen. Er rührte sich nicht.
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Sie drehte sich um und da stand ES! Ungefähr dreißig Meter entfernt stand die Urangst des Menschen vor ihr und blickte sie neugierig an. – Ein Alien!
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4.Geschichte

Das Trojaner Projekt


Ich blicke auf die Sterne. Ja, die Rettungskapsel hat wirklich ein Fenster, allen Sparmaßnahmen zum Trotz. Das ist auch gut so. Denn im Moment kann ich nichts weiter tun, als ins All blicken und auf Rettung hoffen. Ich sehe die Erde nicht. Sie ist zu weit weg. Den Asteroiden kann ich nicht mehr erkennen. Dafür bin ich schon zu lange unterwegs. Aber die Sonne kommt hin und wieder in mein Blickfeld getrudelt. Meine Kapsel schlingert auf instabiler Bahn Richtung Erde. Hoffe ich. – Hoffnung. Das ist alles, was mir bleibt. Doch die Hoffnung schwindet. Die Vorräte werden knapp. Der Computer hat mir eine weitere Überlebenschance von drei Tagen berechnet. Ich versuche nicht weiter darüber nachzudenken. Doch das ist schwer, denn alles was ich hier tun kann, ist denken. Der Kopf lässt sich nicht ausschalten.
Plötzlich kommt mir eine Idee. Ich durchsuche die Rettungskapsel und werde fündig: Papier und Bleistift! Kaum zu glauben, dass es hier so etwas gibt. Aber jedes Raumschiff hat eine Memory-Box an Bord. Sie soll die Raumfahrer an das erinnern, für was sie hier draußen sind: Für die Erde. Für die Menschen. Hatte ich das vergessen?
Diese Memory-Box wird immer in eine der Rettungskapseln deponiert. Darin sind ganz banale Dinge: Steine, Muscheln, getrocknete Blätter, Fotos, eine analoge Uhr, ein Buch, und noch so allerlei und eben ein Block und ein Bleistift mit Anspitzer. Ich glaube, ich habe seit meiner Kindheit keinen Bleistift mehr in den Händen gehalten. Ein schönes Gefühl. Also beginne ich zu schreiben. Vielleicht wird das Geschriebene irgendwann gefunden, wenn ich schon längst tot bin. Dann ist das hier wie so eine Art Flaschenpost. Ja, ich treibe in einer Flaschenpost durchs All.

„Das ist Dr. Peggy Lagrange“, stellte der Projektleiter die Frau vor. „Sie ist unsere Medizinerin.“
Die zwei Männer und zwei Frauen grinsten sie belustigt an.
„Ja, ich weiß, der Name. Und nein, ich bin nicht mit Joseph-Louis Lagrange verwandt“, antwortete sie auf die nicht gestellte Frage.
Manchmal ist das Leben schon seltsam. Sie war im Begriff sich auf den Weg zum Lagrange-Punkt L4 des Sonne-Erde-Systems zu machen und trug den Namen des Entdeckers dieser Punkte. Dabei hatte sie selbst nicht den geringsten Schimmer, was so ein Lagrange-Punkt ist. Sie war nur als Ärztin hier. Alles was sie wusste, war, dass sie zu einem Asteroiden flogen und dass es um Rohstoffe für die Erde ging.
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Sie blickte schockiert in Richtung des Schützen. Steven stand mit einer Pistole in der Hand an der Frachtraumschleuse. Hayden begann langsam rückwärts zu gehen und schob sich zwischen Steven und Peggy, die immer noch auf dem Boden lag.
„Nur der Projektleiter darf so etwas mitnehmen. Für den Notfall!“ Er grinste kalt und wedelte mit der Waffe herum „… und jetzt ist dieser Notfall eingetreten - Meuterei.“ Damit drückte er ab.
Peggy sah, wie das Projektil Haydens Brust durchschlug, an seinem Rücken austrat und über sie hinwegfegte. Der Metallurge wurde von der Wucht des Aufpralls nach hinten gerissen und fiel rücklings auf Peggy. Jetzt richtete Steven die Waffe auf sie.
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Hatten sie wirklich außerirdisches Leben entdeckt? Es kam ihr vor wie ein Traum. Oder war alles nur eine Verkettung tragischer Umstände? Hatte Steven einfach durchgedreht? Sie wusste nicht mehr was sie denken sollte. Ihre Hand drückte den Knopf. Die Kapsel vibrierte und löste sich vom Raumschiff. Peggy blickte hinaus und sah das Raumschiff, das wie ein gestrandetes U-Boot auf dem Asteroiden lag, immer kleiner werden. Sie konnte in einiger Entfernung den Rover sehen und daneben lag Steven. Sie blickte auf ein Grab.
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