Leseprobe aus meiner Kurzgeschichte "Reise in den Kosmos"

Leseprobe aus meiner Kurzgeschichte "Reise in den Kosmos", die gerade - wie auch die gesamte Anthologie - für den Deutschen Phantastik Preis 2014 nominiert ist:


"Fremde Welt"
als Printbook
"Fremde Welt"
als Ebook

... Der Prozess, mit dem sie kleiner wurde, hörte immer noch nicht auf. Es wurde dunkel um sie herum und sie sah leuchtende Nebelhaufen, die mit großer Geschwindigkeit umher sausten. Plötzlich schien die Zeit sich zu verlangsamen und die Nebelhaufen wurden immer größer und ihre Bewegungen langsamer. Waren das Moleküle? Sie sahen aus wie Galaxien. Galaxien, die aus Millionen von Sternen bestanden. Waren das die Atomkerne?
Sie schrumpfte unaufhaltsam weiter und hatte bald die Größe eines Atomkerns. Er sah aus wie ein Stern, ein gewaltiger Gasball. Er strahlte hell und um ihn herum schwirrten Elektronen wie Planeten um eine Sonne. Alexandra schrumpfte weiter und weiter und hatte bald die Größe eines der Elektronen. Sie schwebte um das kugelförmige Elementarteilchen herum. Drei noch kleinere Kugeln umrundeten es. Es sah wirklich aus wie ein Planet im unendlichen All, der von drei Monden begleitet wurde. Sie wurde immer noch kleiner und kleiner und konnte Wolken erkennen. Sie stürzte darauf zu und wurde von ihnen verschlungen. Dann wurde ihr schwindelig und schwarz vor den Augen. War sie in den Mikrokosmos eingetaucht? Das konnte nur ein Traum sein.
Sie erwachte. Es war nur ein Traum gewesen, aber ein seltsam realer Traum. Sie hatte die Augen geschlossen, doch sie spürte, dass sie noch im Wasser der Badewanne lag. Es war kalt geworden. Sie musste eingeschlafen sein.
Doch plötzlich drangen Geräusche an ihr Ohr. Es hörte sich an, wie die Brandung eines Meeres - immer lauter und lauter und das Wasser um sie herum war in Bewegung. Es kam in großen Wellen, umspülte ihren Körper und zog sich zurück, um erneut heran zu rollen und sie hinein zu tauchen.
Abrupt öffnete sie die Augen. Sie lag an einem weißen Strand. Ein unendliches Meer ergoss sich zu ihrer rechten Seite und umspülte sie in regelmäßigen Abständen mit den grünen Wellen. Sie hatten die gleiche Farbe, wie das Wasser in ihrer Badewanne. Auf der linken Seite erstreckte sich ein weiter blendendweißer Strand. Über einer vielleicht zehn Meter aufragenden und unten ausgehöhlten Düne begann ein Wald. Unheimliche Geräusche drangen daraus hervor.
Die Sonne stand schon tief, aber immer noch blendend am hellblauen Himmel über der Grenze zwischen Wald und Meer. Ein großer Halbmond berührte fast die Oberfläche des Ozeans. Seltsame, dunkelblau glänzende kleine Tiere, zogen Spuren durch den feinkörnigen Sand. Sie ähnelten kleinen Krabben, doch die Farbe war sehr unreal. Die Luft roch nach dem Salz des Meerwassers und den Blüten des nahen Dschungels.
Alexandra rieb sich die Augen, in der Hoffnung, einen Traum zu verscheuchen. Doch das Meer und der Strand mit dem über die Düne wuchernden Urwald verschwanden nicht.
Plötzlich färbte ein Schatten den Sand vor ihren Füßen ocker. Sie blickte verschreckt auf und in blaue Augen in einem sonnengebräunten Gesicht, das von schwarzem kurzem Haar umrahmt war.
Es war ein Mann. Er sah sie erstaunt an und ihr wurde bewusst, dass sie völlig nackt war. Schließlich war sie gerade aus ihrer Badewanne an diesen seltsamen Ort katapultiert worden. ...

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